CHOREOGRAFIEN
Images

 
Choreografie:                   Franz Frautschi
Tanz:                                  Erika Huggel, Franz Frautschi
Musik:                                Maurice Ravel, Claude Debussy, Misia, Arvo Pärt, Giuseppe Verdi
Licht und Ton:                  Björn Jensen
Kostüme:                          Franziska Bieli, Ines Halter
Supervision:                     Hanna Barbara
 
Premiere:                         2001 Theater Scala, Basel
 
 
Pressebericht von Christina Thurner
 
Der Musiker, Tänzer und Choreograf Franz Frautschi geht seit 15 Jahren faszinierend eigene Wege. Seine aktuelle Produktion ‹Images› zeigt er mit Erika Huggel.
 
Bewegung und Musik seien für ihn wie die Holmen einer Leiter. Der künstlerische Tanz, wie er ihn praktiziert, verbinde diese wie die Sprossen, er halte sie zusammen und habe doch seine eigene Ausrichtung. Franz Frautschi bezeichnet sich selbst als musizierenden Tänzer und tanzenden Musiker. Die beiden Künste gehören in seinem Leben eng zusammen. Neben einer Tanz- und Bewegungsausbildung an der ‹Danzschuel uff dr Lyss› hat der gebürtige Frutiger mit Jahrgang 1960 das Konservatorium an der Musik-Akademie Basel absolviert, wo er heute als Klavierlehrer arbeitet.
 
Seinen ersten öffentlichen Auftritt als Choreograf und Tänzer hatte Frautschi 1986 in einer Performancereihe in der Basler Kunsthalle. Seine erste Bühnenchoreografie war dann ein Duo mit Karin Preisig, das unter dem Titel ‹You en I› das Unterwegs- und Fremdsein thematisierte und 1989 in der Kulturwerkstatt Kaserne Premiere hatte. Es folgten 1992 ‹poco poi›, ein Stück über die Annäherung zwischen einem kindlichen Tänzer und einer Pianistin zu Musik von Brahms; ‹Dolores›, ein Tanzduo mit Maria Wille über das Leben aus der Perspektive einer Frau, und jüngst ‹Tanzabend›, eine Solo-Tanz-Performance mit dem Untertitel ‹Tänze der Gegenwart›, mit der er im vergangenen Sommer auch in Südamerika unterwegs war.
 
Ungeachtet gängiger Trends hat Franz Frautschi in den 15 Jahren seines Wirkens in der Schweizer Tanzszene seine ganz eigene Bewegungssprache entwickelt. «Am Anfang habe ich mich an Vorbildern orientiert, ihnen nachgeeifert, bis ich gemerkt habe, was wirklich zu mir und zu meinem Körper passt», erklärt er. Eines dieser Vorbilder war eine Weile die belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker. «Sie war die erste, von der ich den Eindruck hatte, dass sie Musik für den Tanz nicht einfach benutzt, sondern adäquat umsetzt.» Ihr betont athletischer Tanz entsprach Frautschi jedoch nicht. Er fand für sich einen eigenen Tanzstil, der in seiner Musikalität auch schwungvoll, aber sanfter, leiser ist. Im ‹Tanzabend› lässt er die Musik als Tanz spielerisch durch seinen Körper fliessen – unprätentiös und schlicht, aber mit einer Präzision und Hingabe, die all die dahintersteckende Arbeit und Anstrengung fast vergessen macht.
 
Sehnsuchtsbilder
 
Auch ‹Images›, die ‹sechs Tanzbilder›, die Franz Frautschi nach den Sommerferien im Theater Scala zeigen wird, verbinden in besonderer Weise Bewegung und Musik. Von Ravels ‹Jeux d’eau› über Debussys ‹Prélude à l’après-midi d’un faune›, Fadolieder von Misia, live gespielte Gitarrenstücke von Mario Tadeo, über Verdi, Arvo Pärt bis zu einer Liedkomposition von Frautschi selbst reicht diesmal das Musikspektrum. «Es sind alles musikalische Fundstücke, zu denen ich Bewegung kreiert oder die ich für bestimmte Bewegungsbilder ausgesucht habe», sagt Frautschi. Die Musikstücke seien verschieden, hätten aber dennoch etwas Gemeinsames, das auch die sechs Tanzbilder zusammenhalte: die Sehnsucht des Menschen, eine andere Stufe des Daseins zu erreichen. So zeigt denn ‹Images›, ohne je narrativ zu sein, eine Abfolge von verschiedenen (Entwicklungs-) Zuständen. In ‹Fontine› liegt Frautschi zu Beginn am Boden; Arme und Beine gekreuzt, erinnern seine Bewegungen an jene eines Fisches. Im zweiten Bild ‹Faune› erkundet Frautschis Tanzpartnerin Erika Huggel die Möglichkeiten ihrer Glieder, bevor die beiden in ‹Franca e Fernando› aufrecht und getragen von der Musik zusammen schreiten.
 
Dabei liefern sich die zwei Tanzenden der Musik nie aus, sondern setzen ihr spannungsvoll die Bewegung gegenüber, indem sie zuweilen mit den Tönen tanzen, dann jedoch innehalten und körperlich einen Bogen über die Musik spannen, bevor sie sich ihr wieder hingeben. «Die pathetischen Stellen in der Musik sind die gefährlichsten», weiss Frautschi; er achte jeweils sehr darauf, dass er diese nicht einfach verdopple, sondern eben den Tanz als gleichzeitig trennende und verbindende Sprosse zwischen die Holmen Musik und Bewegung setze. | Christina Thurner